Unsichtbar Flicken: Aufsetzen Oder Unterlegen?

Z Mazovia

Zuerst wird das Motiv auf einem Stück Vliesofix oder einem ähnlichen Bügelvlies fixiert. Das verhindert, dass der Stoff beim Nähen verrutscht oder sich wellt. Bügelvlies auf die linke Seite des Motivstoffs bügeln, abkühlen lassen, dann die Form ausschneiden. Die Schablone vorher auf Papier zeichnen und mit Stecknadeln oder Kreide auf den Stoff übertragen. Bei filigranen Formen lohnt es sich, die Kontur mit einer dünnen Schicht Klebstoff zu sichern, damit nichts verrutscht, bevor die Nadel greift.

Die richtige Überlappung vermeidet das Aufklaffen Für einen zuverlässigen Halt überlappen sich die beiden Rückenteile um mindestens 15 Zentimeter, bei dickeren Innenkissen oder glattem Stoff besser 20 Zentimeter. Die Formel für den Zuschnitt lautet: fertige Kissenbreite plus zweimal Nahtzugabe (je nach Stoff 1 bis 1,5 Zentimeter) für die Breite, und fertige Kissenlänge plus zwei Zentimeter für die Einschlagkanten plus zweimal Nahtzugabe für die Länge. Ein 50 mal 50 Zentimeter großes Kissen braucht also bei 1,5 Zentimeter Nahtzugabe rund 53 Zentimeter in der Breite und mindestens 56 Zentimeter in der Länge — aufgeteilt in ein vorderes Teil und zwei hintere Teile, die zusammen die Länge ergeben.

Wer die Stichlänge an die Stoffdicke und die Anzahl der Lagen anpasst, erhält haltbare Nähte ohne Wellen, ohne Fadenrisse und ohne aufplatzende Kanten. Die Faustregel lautet: dünn und einlagig kurz, mehrere dünne Lagen mittel, dicke Lagen lang. Wer diese drei Bereiche sauber trennt und Nadel sowie Faden mitdenkt, braucht keine komplizierten Tabellen.

Worauf es bei der Muschelkante ankommt Die Muschelkante wird meist an einem einfachen Saum oder einer Stoffkante gearbeitet. Zunächst schlägt man den Stoff zweimal schmal ein und heftet ihn. Dann sticht man mit der Nadel knapp unter der Kante ein und führt den Faden in kleinen, dichten Stichen über die Kante hinweg. So entsteht eine Reihe von runden Bögen, die wie kleine Muscheln aussehen. Entscheidend ist, dass die Stiche gleich lang und gleich tief sind. Ein zu lockerer Faden lässt die Kante ausfransen, ein zu strammer Faden zieht den Stoff wellig zusammen. Wer gleichmäßig arbeitet, erhält eine feste, dekorative Abschlusskante, die auch nach dem Waschen ihre Form behält.

Hohlsaum und Muschelkante sind zwei klassische Handarbeitstechniken, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, aber unterschiedlich gearbeitet werden. Der Hohlsaum entsteht, indem Fäden aus dem Gewebe gezogen und die verbleibenden Stege mit Stopfstichen umwickelt werden. Die Muschelkante dagegen ist eine feste, gerundete Abschlusskante, die mit dichten Stichen geformt wird. Beide Techniken verlangen Geduld, gleichmäßige Spannung und ein Auge für die Gewebestruktur. Wer sie beherrscht, kann Säume, Deckchen und Kleidungsstücke haltbar und dekorativ veredeln.

Die richtige Stichbreite und Stichlänge Für einen sauberen Rand liegt die Stichbreite zwischen 2 und 4 mm, die Stichlänge zwischen 0,3 und 0,5 mm. Kürzere Stiche ergeben eine dichtere Kante, längere sparen Zeit, lassen aber einzelne Fäden durchscheinen. Der Zickzack muss die Stoffkante genau treffen: Die linke Nadelposition liegt knapp innerhalb des Motivs, die rechte knapp außerhalb. Wer zu weit innen näht, franst aus; wer zu weit außen näht, verliert die Form. Vor dem Nähen an einem Reststück testen, ob der Stich die Kante vollständig bedeckt.

Ein Loch in einem Lieblingsstück lässt sich so schließen, dass es kaum noch zu sehen ist. Entscheidend ist die Wahl der Methode: Aufsetzen eignet sich für feste, nicht dehnbare Gewebe, Unterlegen für elastische Stoffe oder empfindliche Stellen. Beide Techniken verlangen Geduld und passendes Material. Wer die falsche Methode wählt, bekommt entweder eine harte Stelle, die auf der Haut reibt, oder eine Naht, die nach der ersten Wäsche wieder aufplatzt.

Ein häufiger Fehler ist, den Stiel zu straff oder zu locker zu wickeln. Zu stramm presst der Knopf den Stoff zusammen, die Knopflöcher lassen sich kaum schließen. Zu locker schlackert der Knopf und der Faden reibt an der Knopfkante. Prüfen lässt sich das mit einem einfachen Test: Der Knopf soll sich leicht anheben lassen, aber nicht seitlich wegkippen. Bei einem zweilöchrigen Knopf wickelt man um beide Fadenstränge, bei vierlöchrigen um das gesamte Bündel.

Die beiden hinteren Stoffstücke werden zuerst an einer Längskante versäubert und gebügelt. Wer hier spart, sieht nach der ersten Wäsche ausgefranste Kanten. Anschließend schlägt man diese Kante zweimal ein, näht sie knappkantig fest und bügelt sie flach. Erst danach legt man die drei Teile rechts auf rechts zusammen, fixiert sie mit Nadeln und steppt einmal rundherum. Der entscheidende Punkt: Die beiden hinteren Teile müssen sich in der Mitte deutlich überlappen, nicht nur wenige Zentimeter.

Beide Techniken lassen sich gut miteinander kombinieren. Ein Hohlsaum kann mit einer Muschelkante als Abschluss versehen werden, wenn der Saum zusätzlich verstärkt werden soll. Wichtig ist, zuerst den Hohlsaum fertigzustellen und erst danach die Muschelkante anzusetzen, damit die Fäden nicht versehentlich mit erfasst werden. Nach dem Arbeiten wird das Stück vorsichtig gewaschen und gebügelt, am besten auf der linken Seite über einem weichen Tuch. So bleiben Hohlsaum und Muschelkante dauerhaft schön und stabil.