Schnitt Auf Astring: Warum Der Schnitt Am Astkragen Fast Immer Zu Tief Sitzt

Z Mazovia

Prüfen Sie zuerst den Zustand der Schneide. Halten Sie die Schere gegen das Licht und schauen Sie sich die Schneidfase an. Ist sie rund und glänzend statt scharfkantig, fehlt Material. Testen Sie mit einem Stück Zeitungspapier: Ein sauberer Schnitt durch das Papier gelingt nur, wenn die Klinge wirklich scharf ist. Reißen oder knicken die Fasern, ist Schleifen fällig. Achten Sie auch auf Kerben oder Ausbrüche, die durch Draht oder harte Zweige entstanden sind. Solche Schäden lassen sich nur mit einer Feile ausgleichen.

Prüfe das Ergebnis an einem weichen Trieb, etwa an einem einjährigen Holunder- oder Weidentrieb. Gleitet die Klinge ohne Druck durch und bleibt die Schnittfläche glatt und hell, ist die Schere richtig eingestellt. Fasert die Stelle aus oder zeigt sie einen weißen Ring, ist der Winkel zu flach oder der Anpressdruck zu gering. Wiederhole das Schärfen dann mit zwei weiteren Feilzügen und justiere die Schraube nach. Eine gut gepflegte Schere hält mehrere Saisons, bevor sie ersetzt werden muss – vorausgesetzt, du schärfst rechtzeitig und nicht erst, wenn die Pflanze bereits Schaden genommen hat.

So wird auf wenige Augen zurückgeschnitt

Die Verteilung der Augen auf der Rebe ist ebenso wichtig wie ihre Zahl. Alle Augen auf einen langen Bogen zu legen belastet die Basis und lässt die Spitze verkahlen. Besser ist eine Mischung aus kurzen Zapfen am alten Holz und einem oder zwei längeren Fruchtruten, je nach Erziehungssystem. Bei schwacher Holzentwicklung wird die Augenzahl nach unten korrigiert, bei kräftigen Reben nach oben. Wer die gleiche Zahl über alle Reben verteilt, ignoriert die Unterschiede im Boden und im Wuchs und verliert Ertrag oder Qualität.

Der erste Schritt ist die Bestandsaufnahme. Zunächst wird der Reihenabstand gemessen, dann der Stockabstand in der Reihe. Aus beiden Werten ergibt sich die Fläche pro Rebe. Bei einem Reihenabstand von zwei Metern und einem Stockabstand von einem Meter steht jede Rebe auf zwei Quadratmetern. Bei zehn Augen pro Quadratmeter dürfen dann zwanzig Augen auf dieser Rebe stehen. Wer diese Rechnung überspringt, schneidet nach Gefühl und liegt fast immer zu hoch. Zu viele Augen bedeuten zu viele Triebe, zu viele Trauben und am Ende dünne, unreife Beeren.

Der Schnitt erfolgt in Etappen. Zuerst wird grob vorgeschnitten, dann mit der Schnur als Referenz nachgearbeitet. Wer in einem Zug durchschneidet, hebelt die Schere aus der Linie. Bei starkem Austrieb empfiehlt es sich, in zwei Durchgängen zu arbeiten: Der erste entfernt das Gröbste, der zweite richtet die Kante exakt aus. Zwischen den Durchgängen wird die Schnur kontrolliert, ob sie noch straff sitzt.

Der Astring-Schnitt gilt als Königsweg beim Baumschnitt, weil die Wunde am Astkragen am schnellsten überwallt. Der Astkragen ist die ringförmige Verdickung an der Astbasis, in der das Holzgewebe des Astes in den Stamm übergeht. Genau dort liegen teilungsfähige Zellen, die eine Wunde zügig mit Kallus verschließen. Wer diesen Wulst stehen lässt und den Ast sauber ansetzt, spart dem Baum Jahre der Abschottung. Der häufigste Fehler ist jedoch nicht der zu flache, sondern der zu tiefe Schnitt mitten in den Kragen hinein.

Augen, Zapfen und Triebe nicht verwechseln Häufig werden Augen mit den Zapfen verwechselt. Ein Zapfen ist der kurze, auf ein bis zwei Augen zurückgeschnittene Stummel, der als Fruchtholz dient. Ein Auge dagegen ist die einzelne Knospe. Beim Winterschnitt zählt man also die verbleibenden Augen, nicht die Zapfen und nicht die späteren Triebe. Ein typischer Fehler ist, im Frühjahr die ausgetriebenen Triebe zu zählen und danach zu korrigieren. Dann ist der Schnitt längst erfolgt, und die Rebe hat bereits Kraft in unnötige Triebe gesteckt. Gezählt wird im Winter am Holz, nicht im Sommer am Laub.

Beim Rebschnitt entscheidet nicht die Zahl der Knospen pro Rebe über den Ertrag, sondern die Zahl der Augen pro Quadratmeter Rebfläche. Ein Auge ist eine Knospe am einjährigen Holz, aus der im Frühjahr ein Trieb mit Trauben austreibt. Wer den Ertrag dosieren will, muss also nicht die Rebe, sondern die Fläche rechnen. Der Richtwert liegt je nach Sorte, Lage und Erziehungsform meist zwischen acht und zwölf Augen pro Quadratmeter. Diese Zahl ist die Grundlage, alles andere leitet sich davon ab.

Am Ende zählt nicht die perfekte Zahl auf dem Papier, sondern das Verhältnis von Blattfläche zu Trauben. Bleiben zu viele Augen stehen, reifen die Trauben nicht aus. Wird zu stark ausgedünnt, bleibt der Ertrag unter dem möglichen Niveau und die Rebe verkahlt. Der Rebschnitt ist deshalb kein einmaliger Akt, sondern eine jährliche Anpassung an Wuchs, Sorte und Witterung. Wer Augen zählt, statt zu schätzen, steuert den Ertrag mit jeder Schere.

Nach dem Schnitt folgt die Kontrolle. Pro Parzelle werden einige Reben ausgezählt und die Augen pro Quadratmeter hochgerechnet. Weicht das Ergebnis stark vom Zielwert ab, wird nachjustiert, solange das Holz noch liegt. Ein weiterer Fehler ist, den Schnitt auf einen einzigen Tag zu legen und danach nicht mehr hinzusehen. Reben reagieren auf Witterung und Vorjahresertrag, deshalb sollte die Augenzahl jedes Jahr neu bestimmt werden. Wer nur einmal rechnet und danach immer gleich schneidet, verliert die Kontrolle über den Ertrag.