Kreidender Putz: Warum Grundieren Die Sanierung Rettet
Sandender Putz und kreidende Farbe sehen auf den ersten Blick harmlos aus. Man streicht darüber, und nach wenigen Wochen platzt die neue Beschichtung wieder ab oder lässt sich mit dem Fingernagel wegkratzen. Der Fehler liegt fast nie am neuen Material, sondern am Untergrund. Wer die Ursache ignoriert, saniert zweimal – und zahlt doppelt.
Beim Auszug aus einer Mietwohnung entsteht selten Streit über die Küche oder das Bad, sondern fast immer über die Wände. Die zentrale Frage lautet: Muss gestrichen werden oder nicht? Die Antwort hängt nicht von Gefühlen ab, sondern von drei Dingen: was im Mietvertrag steht, wie die Wände tatsächlich aussehen und was in der Wohnung vertraglich vereinbart wurde. Wer diese drei Punkte prüft, bevor er zur Farbrolle greift, spart Geld, Zeit und Nerven.
Bleiben nach allen Versuchen dunkle Ränder oder bröselt die Fuge, ist ein partieller Austausch sinnvoll. Man kratzt nur den beschädigten Abschnitt etwa zwei Millimeter tief aus, befeuchtet die Flanken und füllt mit frischem Fugenmörtel auf. So bleibt der Großteil der Fläche erhalten, und das Ergebnis ist optisch kaum vom Bestand zu unterscheiden. Wer gleich die ganze Fläche neu verfugt, riskiert ungleichmäßige Farbe und deutlich mehr Aufwand als nötig.
Im Vollmaterial reicht in der Regel ein Spreizdübel. Beim Eindrehen der Schraube zieht sich der Dübel auf, presst sich gegen die Bohrlochwand und verklemmt sich. Die Last verteilt sich auf die gesamte Länge des Dübels. Deshalb ist die Tragfähigkeit hier hoch, sofern der Durchmesser stimmt und die Bohrlochtiefe ausreicht. Ein typischer Fehler: Das Loch wird zu groß gebohrt, weil der Bohrer verschlissen ist. Dann spreizt der Dübel nicht mehr richtig und dreht durch. Ebenso falsch ist es, einen zu kurzen Dübel zu nehmen, nur weil er gerade zur Hand ist.
Wann tatsächlich gestrichen werden muss Gestrichen werden muss in der Regel dann, wenn die Wände über die normale Abnutzung hinaus beschädigt sind. Dazu zählen deutliche Farbunterschiede durch entfernte Möbel, Bohrlöcher in großer Zahl, Flecken von Wasser, Fett oder Nikotin sowie abgeplatzte Stellen. Auch ungewöhnliche, kräftige Farben, die nicht dem üblichen Wohnstandard entsprechen, können ein Zurückstreichen in einer neutralen Farbe erforderlich machen, wenn der Vertrag oder die Hausordnung dies vorsieht. Normale Gebrauchsspuren wie leichte Scheuerstellen oder matte Stellen sind dagegen kein Grund für eine Pflichtrenovierung.
Erst wenn der Untergrund fest, trocken und gleichmäßig saugend ist, wird gestrichen. Die neue Farbe sollte zum Untergrund passen: Auf mineralischen Putzen sind mineralische oder Silikatfarben meist die bessere Wahl, weil sie dampfdurchlässig bleiben. Dispersionsfarben können auf feuchten oder salzhaltigen Untergründen abplatzen. Beim Streichen zwei dünne Anstriche statt eines dicken Auftrags auftragen. Zwischen den Anstrichen die angegebene Trockenzeit einhalten – nicht nach Gefühl, sondern nach technischem Merkblatt.
Ein weiterer typischer Fehler ist eine zu schmale oder falsch platzierte Fuge. Sie muss bis zum Rohboden reichen und darf nicht mit Mörtel oder Kleber überbrückt werden. Wird die Fuge nur oberflächlich angeschnitten, kann sie ihre Funktion nicht erfüllen. Auch das Einlegen eines zu dünnen Randdämmstreifens führt dazu, dass der Estrich direkt an der Wand anliegt. Der Streifen muss komprimierbar sein und in der Höhe über den fertigen Boden hinausragen, damit er später sauber abgeschnitten werden kann.
Zunächst muss der Untergrund geprüft werden. Reiben Sie mit der flachen Hand über die Fläche. Bleibt ein weißer oder heller Abrieb auf der Haut, ist die alte Farbe kreidend. Ein Tropfen Wasser auf der Wand zeigt mehr: Perlt er ab, ist die Schicht wasserabweisend; saugt der Untergrund ihn sofort auf, ist er offenporig, aber möglicherweise zu schwach gebunden. Ein einfacher Klebebandtest hilft ebenfalls: Klebestreifen fest andrücken, abrupt abziehen. Kommt Farbe mit, trägt die Schicht nicht.
Sandender Putz verliert mit der Zeit oberflächlich Bindemittel. Wer darüber streicht, merkt nach dem Trocknen, dass die Farbe kreidet, abpudert oder sich mit dem Finger abwischen lässt. Das liegt selten an der Farbe selbst, sondern an der offenen, instabilen Oberfläche. Die oberste Schicht besteht aus losen Mineralpartikeln, die keine Haftung mehr bieten. Jeder Anstrich, der direkt darauf kommt, sitzt nur auf diesem Sand und wird mit ihm zusammen abgetragen.
Bei stark kreidenden Altanstrichen hilft nur mechanisches Entfernen. Lose Farbe mit einer Drahtbürste oder einem Schleifpad abtragen, Staub absaugen, nicht feucht abwaschen. Feuchtigkeit treibt den Kreideabrieb in den Putz und verschließt die Poren. Nach dem Abschleifen folgt der Verfestiger. Erst wenn dieser vollständig durchgetrocknet ist, darf die neue Farbe kommen. Zu frühes Überstreichen führt dazu, dass der Festiger wieder aufweicht und die Haftung zusammenbricht.