4 Regeln für das Gießen, wenn die Pflanzen in den Wintermodus gehen
Ein Umtopfen ist für jede Pflanze ein Eingriff, der Stress bedeutet. Wurzeln verlieren ihren gewohnten Kontakt zum Substrat, werden gestört und reagieren oft mit Wachstumsstopp. Wer den Vorgang in vier klar getrennte Schritte zerlegt und zwischen ihnen prüft statt hektisch zu handeln, kann den Schock deutlich mildern. Der wichtigste Grundsatz: nicht ziehen, sondern lösen.
Praktisch geht man so vor: Zuerst die Tropfen mit einem sauberen, feuchten Tuch abwischen, damit sich kein Nährboden für Rußtaupilze oder Schimmel bildet. Danach den Topf anheben – fühlt er sich schwer an, obwohl die oberste Erdschicht trocken ist, wartet man mit dem nächsten Gießen. Das Substrat sollte zwischen zwei Wassergaben fast vollständig abtrocknen. Ein Umtopfen in eine Mischung aus Rindeneinlage, Perlite und grober Blumenerde verbessert die Drainage. Tontöpfe mit Abzugsloch und eine Schicht Blähton am Boden verhindern, dass Wasser im Untersetzer stehen bleibt. Steht die Monstera in einem Übertopf ohne Abfluss, gießt man künftig im Waschbecken, lässt abtropfen und setzt sie erst dann zurück.
Ost- und Westfenster: die flexiblen Plätze Ein Ostfenster bringt sanfte Morgensonne und danach gleichmäßiges, indirektes Licht. Das ist der beste Platz für die meisten Grünpflanzen: Philodendron, Monstera, Calathea, Dracaena und die meisten Farne wachsen hier zuverlässig. Ein Westfenster ist ähnlich, hat aber am Nachmittag kräftigere Sonne – ideal für blühende Pflanzen wie Anthurien, Begonien oder Weihnachtskakteen. Wichtig: Beide Fenster werden schnell zu heiß, wenn die Pflanze zu dicht an der Scheibe steht. Ein Abstand von 20 bis 30 Zentimetern verhindert Hitzeschäden an den Blättern.
Bei hoher Verdunstung im Sommer hilft es, den Stab morgens zu sprühen, damit das Moos bis zum Abend nicht vollständig austrocknet. Kalkhaltiges Wasser hinterlässt weiße Ränder auf dem Moos und verstopft die feinen Haftwurzeln. Abgestandenes Leitungswasser oder Regenwasser ist besser geeignet. Staunässe im Topf schadet den Wurzeln mehr als ein trockener Moosstab, deshalb vor jedem Gießen die Substratoberfläche prüfen.
Als Dünger taugt Kaffeesatz nur in Maßen. Etwa ein Esslöffel pro Liter Erde, gut vermischt, versorgt Pflanzen über Wochen mit Stickstoff. Für starkzehrende Kulturen wie Tomaten oder Zucchini ist das eine sinnvolle Ergänzung. Bei Kübelpflanzen reicht eine dünne Schicht, die man leicht einharkt. Zu viel Kaffeesatz verdichtet den Boden, speichert Feuchtigkeit und kann Staunässe fördern. Das schadet mehr, als es nützt.
Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, stellen die meisten Pflanzen ihren Stoffwechsel um. Das gilt für Zimmerpflanzen am Fenster genauso wie für Kübelpflanzen auf dem Balkon und für alles, was im Gewächshaus überwintert. Das Gießen ist der Punkt, an dem in dieser Übergangszeit die meisten Fehler passieren. Wer einfach weiter gießt wie im Sommer, ertränkt die Wurzeln. Wer zu früh aufhört, lässt die Pflanze austrocknen, bevor sie sich angepasst hat. Die Umstellung läuft nicht an einem Tag, sondern über mehrere Wochen.
Ein Südfenster liefert die höchste Lichtintensität, besonders zwischen April und September. Hier fühlen sich Pflanzen wohl, die pralle Sonne vertragen: Kakteen, Wolfsmilchgewächse, Bougainvillea, Hibiskus und viele Kräuter wie Rosmarin oder Thymian. Der typische Fehler ist, Schattenpflanzen wie Farne oder Efeutute hierhin zu stellen – die Blätter verbrennen innerhalb weniger Tage, und die Ränder werden braun und trocken. Wer eine Pflanze ans Südfenster stellt, sollte im Sommer zumindest mittags für leichten Schatten sorgen, etwa mit einem halbtransparenten Vorhang. Gegossen wird morgens, damit die Wurzeln bis zum Abend abtrocknen können.
Ein Moosstab im Topf kippt meist aus zwei Gründen: Der Stab steht nur lose in der Erde, oder die Substratoberfläche trocknet schneller aus als der Wurzelballen darunter. Beides lässt sich vermeiden, wenn man den Stab vor dem Bepflanzen einsetzt und die Feuchtigkeit gezielt über den Stab statt über den Topf reguliert. Wer die Rankhilfe erst nachträglich hineindrückt, schiebt sie oft schief zwischen die Wurzeln und beschädigt sie.
Wer umstellen will, sollte das schrittweise tun. Eine Pflanze vom Nord- ans Südfenster zu setzen, ohne sie zu gewöhnen, führt zu Sonnenbrand. Besser: über zwei Wochen jeden Tag eine Stunde länger ans helle Licht stellen. Ebenso wichtig ist das Drehen: Pflanzen wachsen zum Licht, deshalb alle zwei Wochen um ein Viertel drehen, damit sie gerade bleiben. Bodenfeuchte immer mit dem Finger prüfen statt nach Kalender zu gießen. So findet jede Pflanze den Platz, an dem sie tatsächlich gedeiht.
Auch die Wassertemperatur spielt jetzt eine größere Rolle als im Sommer. Kaltes Leitungswasser direkt auf einen durchgewurzelten Ballen kann bei empfindlichen Arten Wurzelschäden verursachen. Das Wasser sollte mindestens Zimmertemperatur haben. Wer kalkarm gießen muss, sammelt Regenwasser oder lässt Leitungswasser einige Stunden stehen. Gedüngt wird ab dem Beginn des Wintermodus gar nicht mehr oder nur noch in sehr geringer Konzentration, und zwar ausschließlich bei Pflanzen, die weiter aktiv wachsen. Wer jetzt noch regelmäßig düngt, treibt die Pflanze zu einem Austrieb, den sie mit dem wenigen Licht nicht versorgen kann.