Wenn Stauden verblüht sind: Was jetzt geschnitten wird

Z Mazovia

Der häufigste Fehler ist ein zweiter Radikalschnitt im selben Jahr, weil der Neuaustrieb zu lang oder zu wild erscheint. Wer jetzt erneut bis zum Boden schneidet, entzieht dem Strauch die gerade aufgebauten Blätter und zwingt ihn, aus dem letzten Reserven erneut auszutreiben. Das schwächt die Pflanze so stark, dass sie im Folgejahr kümmerlich bleibt oder ganz ausfällt. Stattdessen den Austrieb im ersten Jahr wachsen lassen und nur störende, nach innen wachsende Triebe entfernen.

Den Wulst erkennen, bevor die Säge anset

Was stehen bleibt, hat seinen Grund Andere Stauden sollten nach der Blüte nicht angerührt werden. Sonnenhut, Rudbeckie und Fetthenne bilden dekorative Samenstände, die im Winter Struktur in den Garten bringen und Vögeln Nahrung bieten. Zudem schützt das trockene Laub die Pflanze vor Frost und verhindert, dass Wasser in hohle Stängel eindringt und das Herz der Staude verfaulen lässt. Wer diese Arten zurückschneidet, riskiert Ausfälle im Winter. Auch Herbstblüher wie Astern oder Chrysanthemen werden erst im Frühjahr geschnitten, nicht direkt nach der Blüte.

Die Faustregel lautet also: Was nach der Blüte noch grün und gesund aussieht, darf bleiben. Was braun, matschig oder krank ist, kommt weg. Und alles, was im Winter als Struktur oder Vogelnahrung dient, wird erst im Frühjahr geschnitten. So übersteht der Staudenbestand die kalte Jahreszeit und startet kräftig in die nächste Saison.

Die dritte Gruppe ist die einfachste und wird am häufigsten falsch behandelt. Diese Clematis blüht ausschließlich an den neuen Trieben, die im Frühjahr wachsen. Dazu gehören Clematis viticella, Clematis jackmanii und die meisten großblumigen Sorten mit späten Blütezeiten ab Juni. Hier schneidet man im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr alle Triebe auf 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden zurück, etwa auf zwei kräftige Knospenpaare. Wer das nicht tut, bekommt eine Pflanze, die oben blüht und unten kahl ist. Ein kräftiger Rückschnitt ist bei dieser Gruppe keine Gefahr, sondern die Voraussetzung für viele Blüten.

Nach dem Schnitt wird die Schnur nicht sofort entfernt. Man lässt die Stäbe stehen, bis die gesamte Hecke fertig ist, und prüft ein letztes Mal mit dem Auge entlang der gespannten Linie. Erst wenn keine Beule und keine Senke mehr sichtbar ist, zieht man Stäbe und Schnur heraus. Diese Reihenfolge verhindert, dass man nach dem Abbau doch wieder freihändig nachbessert und die mühsam erreichte Gerade zerstört. Mit zwei Stäben, einer straffen Schnur und etwas Geduld steht die Kante so gerade, dass sie auch nach Wochen noch hält.

Ein häufiger Fehler ist der Schnitt bei immergrünen Stauden wie Bergenie oder Purpurglöckchen. Sie behalten ihre Blätter über den Winter und sollten nur von welken Blütenständen befreit werden. Ein starker Rückschnitt im Herbst nimmt ihnen den Schutz und die Kraftreserven. Ähnlich verhält es sich mit Gräsern: Während viele Horstgräser im Frühjahr knapp über dem Boden abgeschnitten werden, lässt man sie im Herbst unberührt. Wer sie jetzt kürzt, beraubt sich des winterlichen Winterschmucks und setzt die Pflanzen unnötig Kälte aus.

Für den Rückschnitt selbst gilt: sauberes, scharfes Werkzeug verwenden, um Quetschungen zu vermeiden. Stängel möglichst knapp über einem Blattpaar oder einer Knospe abschneiden, damit die Pflanze dort neu austreiben kann. Bei verblühten Blütenständen, die nur der Optik wegen entfernt werden, genügt es, den Stiel bis zum ersten kräftigen Blatt zurückzunehmen. Wer unsicher ist, lässt lieber mehr stehen und schneidet im zeitigen Frühjahr nach, wenn die Gefahr von Frostschäden vorbei ist.

Wer diese Regel einmal verinnerlicht, arbeitet langsamer, aber sicherer. Der ausgestreckte Arm ist kein Zeichen von Geschick, sondern eine Warnung. Die Leiter zeigt den sicheren Bereich an – wer ihn verlässt, verlässt das Werkzeug. Genau dort beginnt der Unfall, den man vorher hätte vermeiden können.

Der kritische Punkt ist schnell erreicht. Auf einer Stehleiter liegt der sichere Arbeitsbereich etwa zwischen den Holmen, nicht darüber hinaus. Auf einer Anlegeleiter zählt die senkrechte Projektion des Körpers auf den Boden: Bleibt der Oberkörper innerhalb der Holmbreite, trägt die Leiter. Streckt man den Arm aus, wandert diese Projektion seitlich weg, und die Leiter beginnt zu kippen. Das passiert nicht erst bei großen Werkzeugen. Schon eine kleine Astsäge mit ausgestrecktem Arm reicht, um die Standsicherheit zu verlieren.

Nach der Blüte entscheidet sich oft, ob eine Staude im nächsten Jahr wieder kräftig austreibt oder ob sie vergreist. Viele Arten brauchen dann einen Rückschnitt, andere dagegen sollten unbedingt stehen bleiben – sei es wegen der Samenstände, der Winterhärte oder weil sie erst spät im Jahr neue Knospen ansetzen. Wer unterschiedslos alles abschneidet, nimmt sich selbst die Blüte des Folgejahres. Deshalb lohnt es sich, vor dem Griff zur Schere genau hinzuschauen.